Wie Manuela Fedrich wieder laufen lernte

Schnell wachsendes Vertrauen in die Endo-Exo-Prothese

Zu Beginn musste sie das Laufen erst wieder richtig erlernen, wie sie betont. Denn die Muskeln und der Bewegungsapparat müssen sich ebenso auf die neue Prothese einstellen wie das Gehirn. Und hierfür hält die Münsterland-Klinik, die sich auf die Behandlung von Amputationen spezialisiert hat, jede Menge an Übungen bereit. So etwa das Training von Muskeln im Schwimmbecken, bei denen Manuela Fedrich auf einem Bein stehen lernen musste. Eine Übung, die dann an Land ihre Fortführung fand, indem sie nun wechselweise auf einem Bein stehen lernen musste. Zudem gehörte das Gehen auf weichen Matten und Trampolin ebenso zum Programm wie das Stehen auf einem Therapiekreisel. Beim Außengehtraining lernte Manuela Fedrich – immer in Begleitung eines Therapeuten – über die unterschiedlichsten Untergründe zu laufen: über Rasen, über Stock und Stein, über Steigungen, die Treppen hoch und runter und vieles andere mehr.

Manuela Fedrich sagt, dass diese Übungen zu Beginn eine echte Herausforderung gewesen seien. Allerdings merkte sie schnell ihre Fortschritte, so dass sie schon bald immer mehr Sicherheit und Vertrauen in die neue Prothese gewann. Eine Entwicklung, die zudem durch regelmäßiges Kraftraum-Training sowie durch Maßnahmen der Physikalischen Therapie, wie die Triggerpunkttherapie, die klassische Massage von Stumpf, Rücken und Arme, die Lymphdrainage und die Wärmetherapie gefördert wurde.

„Ich bin wirklich sehr glücklich damit, ein Gefühl, das noch immer anhält – und das man offensichtlich wahrnehmen kann.“

Frau mit Beinprothese übt das Gehen an Haltestangen während einer Rehabilitationseinheit.

„Nicht zuletzt ist mein Vertrauen deutlich gestiegen – auch mein Selbstvertrauen!“

Die zweite Stufe: Gehtraining in der Gruppe

„Nach zwei Wochen zündete dann die zweite Stufe“, berichtet Manuela Fedrich. Denn wurde sie bis dato via Einzelförderung trainiert, wurde ihr bisheriges Programm nun ein Gehtraining im Rahmen einer Gruppe aus Personen ergänzt, die sich auf etwa vergleichbarem Trainingsstand befanden – sprich: auf deutlich erhöhtem Niveau. So wurde auf einem Schaukelbrett, einer Holzbank und ähnlichen Geräten das Gleichgewicht trainiert, die Körperkontrolle verbessert sowie die Gang- und Standsicherheit erhöht. Zudem wurden Alltagssituationen simuliert. Hierzu zählte die Übung, bei der Frau Fedrich den Pendelbewegungen eines hängenden Boxsacks ausweichen musste, womit sie für den Aufenthalt in größeren Menschenansammlungen fitgemacht wurde. Zudem diente das Unterqueren einer Reckstange oder das Überwinden eines flachen Bodenhindernisses in der Vorwärts- und Seitwärtsbewegung als Vorbereitung auf den immer näher rückenden Alltag. 

Ein besonderes Augenmerk legten die Therapeuten auch auf die Gestaltung eines harmonischen Gangbildes. So ging es am Gehbarren um das Erarbeiten von möglichst „runden“ und ökonomischen Bewegungsabläufen durch den gleichmäßigen Wechsel der Standbein- und Schwungbeinphase. „Ein strammes Programm“, wie Frau Fedrich sich erinnert. Sie hatte pro Tag 4 – 6 Anwendungen zwischen 7 und 19 Uhr zu absolvieren, die im Rahmen von wöchentlichen Übungsplänen festgelegt wurden. Eine Mühe, die sich gelohnt hat. Jetzt, wo sie den Klinik-Aufenthalt hinter sich und wieder ihr gewohntes Leben gefunden hat, resümiert sie, dass sie deutlich an Kondition und Sicherheit gewonnen hat. „Nicht zuletzt ist mein Vertrauen deutlich gestiegen – auch mein Selbstvertrauen!“ Das in Zukunft noch weiter wachsen wird, denn nach der Reha wird Manuela Fedrich von dem Therapiezentrum Reha Podbi-Park in Hannover betreut. Beim Abschied verrät uns Frau Fedrich, dass es bald in den Urlaub geht – eine Woche Gardasee. Wir wünschen gute Erholung!

Frau mit Beinprothese absolviert ein Geschicklichkeitstraining, bei dem sie unter einer Stange hindurchläuft.

Liebe Frau Fedrich, Sie scheinen bester Dinge. Was ist der Grund für Ihre gute Laune?

Seitdem ich meine neue Endo-Exo-Prothese habe, hat sich mein Leben äußerst positiv entwickelt. Ich bin wirklich sehr glücklich damit, ein Gefühl, das noch immer anhält – und das man offensichtlich wahrnehmen kann.

In der Tat. Beschreiben Sie doch einmal, was sich genau in Ihrem Leben verändert hat.

Ich hatte bisher eine Prothese, die mit einem Schaft ans Bein befestigt wurde. Dadurch hatte ich permanent Schmerzen. Trotz mehrerer Anpassungen, die der Orthopädie-Techniker von Brandes & Diesing mit großer Geduld durchführte, blieb sie immer nur eine Interimslösung. Das bedeutete, dass ich sie die letzten Monate überhaupt nicht mehr getragen habe und ich überwiegend mit Krücken unterwegs war. Ein Alptraum. Sie können sich vorstellen, dass man mit den Gehhilfen keine Hand frei hat. Ich war doch tatsächlich auf eine Assistenz angewiesen.

Ja, das ist nachvollziehbar. Wie sind Sie denn dann auf die Endo-Exo-Prothese gekommen?

Mein Leidensdruck war enorm. Deshalb habe ich mich nach Alternativen umgesehen, vor allem im Internet. Da habe ich viele Informationen zur Endo-Exo-Prothese erhalten. Das hörte sich auch alles vielversprechend an. Und doch war ich zu Beginn skeptisch. Denn das Verfahren ist ja noch relativ neu. Und ich hatte keine Lust, mich als Versuchskaninchen für unausgereifte OP-Methoden herzugeben. Dann hat mich der Orthopädietechniker von Brandes & Diesing auf Herrn Dr. Horst Aschoff aufmerksam gemacht, der damals noch in Lübeck tätig war. Da bin ich dann hingefahren und habe ihn konsultiert. Dieser Besuch, der im September 2016 stattfand, hat mich dann mehr als beruhigt.

Der Besuch hat Ihre Befürchtungen auflösen können?

Definitiv! Denn Dr. Aschoff hat schon mehr als 100 Operationen durchgeführt. Das Verfahren ist also bestens erprobt. Und wie es der Zufall so wollte, war Dr. Aschoff gerade im Begriff, von Lübeck nach Hannover zu wechseln, an die Medizinische Hochschule. Das war natürlich eine glückliche Fügung für mich, weil ich ja in der Nähe von Hannover lebe. Noch im Februar hat mich Dr. Aschoff dann operiert.

Frau mit Beinprothese sitzt lächelnd auf einem Steg am Wasser und taucht den Fuß ins kühle Nass.

„Ich habe mein Leben wieder“

Wie erfolgte die Nachbetreuung? Nach welchen Kriterien haben sie denn Ihren Orthopädietechniker ausgewählt?

Da musste ich nichts auswählen. Es gibt eine Zusammenarbeit zwischen dem MHH und Brandes & Diesing. Und so lagen die Prothetik und Nachbetreuung automatisch in den Händen von Brandes & Diesing. Über diese Situation war ich sofort schwer begeistert. Denn der Orthopädietechniker hatte sich bereits schon im Zusammenhang mit der Schaftprothese sehr um mich bekümmert. Man brauchte nur anrufen – und schon war er nach kurzer Zeit an Ort und Stelle. Ein zuvorkommender Service, der sich nahtlos bei der Endo-Exo-Prothese fortsetzte. Ob Kompressionsversorgung, Wundheilung oder kontinuierliche technische Anpassungen – es war eine tolle Versorgung, die sich flexibel am individuellen Heilungsverlauf orientierte. Hinzu kam, dass der Orthopädietechniker mich ja schon bestens kannte, alle Daten von mir hatte und zudem mit allen Fachleuten – etwa dem Physiotherapeuten – eng kooperierte. So liefen alle erforderlichen Maßnahmen ohne Zeitverzug Hand in Hand.

Sie stehen jetzt kurz vor der Reha. Was erwartet sie dort?

Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich zuvor vor allem mit Krücken unterwegs war. Dabei wurde das Körpergewicht über die Arme aufgefangen. Durch die Endo-Exo-Prothese verläuft die Kraftübertragung nun wieder über die Beine. Eine vollkommen neue Situation, auf die sich Knochenbau und Bewegungsapparat einstellen müssen. Deshalb erhalte ich bei der Reha eine Gangschule und andere Bewegungstrainings.

Frau Fedrich, letzte Frage: Wie geht es Ihnen heute?

Bestens. Nach der Einheilung und Anpassung der Prothese konnte ich mein Bein direkt wieder voll belasten. Ich bin wieder selbstständig und muss auf nichts verzichten. Zum Beispiel kann ich wieder schwimmen oder in die Sauna gehen. Die Prothese lässt sich bei Bedarf in wenigen Sekunden anbringen und wieder abnehmen. Und die tägliche Wundreinigung mit Wasser fügt sich wie selbstverständlich in die tägliche Körperhygiene ein. Mit einem Wort: Ich habe mein Leben wieder. Darüber bin ich sehr glücklich.

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